Soviet Kitchen Unleashed: Im Mutterland wird gegessen, was auf den Tisch kommt

Soviet Kitchen Banner

Der zweite Weltkrieg sorgte nicht nur in Deutschland für Verknappung von Lebensmitteln. Auch in der Sowjetunion hatte die Bevölkerung mit Hunger zu kämpfen und man war froh, wenn überhaupt etwas auf den Tellern landete. Mit etwas zynischem Blick greift das Kartenspiel Soviet Kitchen Unleashed diese Thematik nun auf und verpackt sie in einem interessanten Spielkonzept, welches physische und digitale Inhalte miteinander vereint. Wie genau das funktioniert und warum Soviet Kitchen Unleashed sich insbesondere für lustige Spieleabende eignet, erfährst du in unserem Test.

Auf der DreamHack Leipzig 2020 Ende Januar diesen Jahres hatten wir beim Indie Arena Booth die Gelegenheit, Soviet Kitchen Unleashed erstmals auszuprobieren und mit einer überaus netten Dame des Entwicklerteams zu sprechen. Da Videospielkombinat und sowjetische Küche namentlich so gut zusammen passen, ergatterten wir das Spiel sogleich und versprachen, demnächst einen Artikel zum kooperativen Mehrspieler-Geheimtipp zu veröffentlichen. Spieler mit empfindlichen Mägen müssen jetzt ganz stark sein, denn wenn Knappheit an Essbarem herrscht, wird kurzerhand im Grunde Ungenießbares durch den Fleischwolf gedreht!

Herzstück von Soviet Kitchen Unleashed ist die Kampagnenkarte, auf welcher man sich nach und nach als vermeintlicher Chefkoch von den russischen Stellungen an der Ostfront bis ins Hinterland hocharbeitet und dabei mit den verschiedensten Herausforderungen konfrontiert wird. Die verschiedenen Kapitel sind dabei in mehrere Missionen unterteilt, die nach und nach immer komplexer werden und demnach auch im Schwierigkeitsgrad variieren. Ziel ist es stets, die gewünschte Speise so gut es geht herzustellen – und dafür ist dem verzweifelten Küchenpersonal natürlich jedes Mittel recht. Neben wenig schädlichem Wasser oder Mohrrüben können so ab und an auch Zehennägel oder gar Atommüll auf dem Teller landen.

Doch alles der Reihe nach – wie spielt man denn Soviet Kitchen eigentlich? Im Kern hast du es hier mit einem waschechten Kartenspiel zu tun, in welchem man allerdings nicht gegen sondern mit bis zu sechs Spielern versucht, die Mission erfolgreich abzuschließen. Den Gegner stellt hierbei die gegebene Aufgabe und deren Anforderungen an die Spielergruppe dar. Jeder Spieler erhält eine bestimmte Anzahl an Karten in die Hand, welsche jeweils verschiedene Zutaten symbolisieren, die für jeden Teil der vorgegebenen Speise ins Rezept gemischt werden müssen. Wie gut oder schlecht die eingeworfene Zutatenmischung ist, hängt im wesentlichen von zwei Faktoren ab. Zum einen ist es wichtig, die Farbe der angegebenen Mahlzeit möglichst genau zu treffen, damit die Bewirteten auch ja keinen Verdacht schöpfen. Zum anderen sollte man auch immer ein Auge darauf werfen, wie giftig die Speise wird – man will die Kundschaft ja schließlich nicht umbringen!

Die Spieler müssen sich also absprechen, welche Zutaten sie in den Topf werfen wollen und welche Kombinationen das bestmögliche Ergebnis erzielen. Alte Soldatenstiefel und Kohle machen das Gericht zwar schön gräulich, sie sorgen im Umkehrschluss allerdings auch für einen hohen Giftwert und die Vergiftungs-Skala steigt rapide an. Diese sinkt erst wieder um den noch verbliebenen Teil, wenn das Gericht fertiggestellt ist und es an die nächste Speise geht. In einigen Situationen ist es also von Vorteil, lieber weniger schädliche Zutaten zu verwenden und dafür die Farbe des Gerichtes nicht gänzlich zu treffen – solange man den Farbton überhaupt halbwegs trifft. Denn sieht die Mahlzeit nicht wie bestellt aus, werden die Gäste misstrauisch, man verliert einen Lebenspunkt und bekommt für die gescheiterte Zubereitung keinerlei Punkte.

Soviet Kitchen Table

Der digitale Part von Soviet Kitchen Unleashed besteht aus der Benutzeroberfläche, welche wahlweise auf einem Smartphone oder Tablet in der Mitte des Tischs angezeigt wird. Auf diesem wählt man die Missionen aus, bekommt die Teller mit den vorgegebenen Speisen angezeigt und erhält eine Auflistung der erreichten Punkte. Die Handkarten der Spieler sind auf der Rückseite mit einem QR-Code versehen, welcher von den Frontkamera der Geräte sehr schnell und überaus zuverlässig erkannt wird – so weiß das Spiel, welche Karte du gerade in den Fleischwolf geworfen hast. Auch bestimmte Ereignisse, die durch besondere Karten ausgelöst werden, können so auf dem Bildschirm angezeigt werden. Beispielsweise sorgt die „Sozialistische Feier“ dafür, dass jeder Spieler seinem linken Nachbarn eine Karte abgeben muss. Sobald die Karte eingescannt wird, erscheint der Hinweis in digitaler Form – ziemlich cool und ziemlich praktisch.

Wer nun glaubt, dass man in lediglich auf die korrekte Farbe und den Füllstand der Giftanzeige zu achten hat und so die komplette Kampagne locker durchspielen kann, der irrt sich gewaltig. Denn Soviet Kitchen sorgt mit dem einen oder anderen Kniff dafür, dass die Missionen stets abwechslungsreich bleiben und man häufig mit einzigartigen Gegebenheiten konfrontiert wird. Da gibt es zum Beispiel eine Meute blinder Gäste zu bewirten, denen folglich die Farbe der Mahlzeit ziemlich egal ist. Hier kann man sich als Kochgruppe demnach ganz und gar darauf fokussieren, möglich wenig Giftstoffe auf die Teller zu bringen. Auch Missionen, in denen man gezielt Leute vergiften soll, sind später mit von der Partie.

Dennoch meistert Soviet Kitchen den Balanceakt zwischen leicht zugänglich und herausfordernd. Neuen Spielern kann das Konzept im Handumdrehen erklärt werden, der Schwierigkeitsgrad der Missionen ist allerdings keinesfalls zu einfach – auch wenn das die ersten Aufträge vermuten lassen könnten. Wo anfangs nur wenige Zutaten  zur Verfügung stehen, kommen mit Fortschritt in der Kampagne auch immer neue Karten hinzu, welche nach und nach in den Hauptstapel gemischt werden können. So bleibt das Spiel auch über längere Sicht unterhaltsam und überrascht mit neuen Motiven und Gameplay-Mechaniken. Aus Spoilergründen verraten wir natürlich an dieser Stelle nicht, was den eingefleischten Küchenmeister im Spielverlauf erwartet.

DreamHack Leipzig 2020 Indie Games

Mein Fazit zu Soviet Kitchen Unleashed:

Für mich war Soviet Kitchen definitiv eines der Highlights der diesjährigen DreamHack in Leipzig! Die Verschmelzung von Karten auf der Hand und virtuellem interaktiven Interface funktioniert wirklich tadellos und zeigt, wie auch traditionellere Spiele von einer Anbindung an die moderne Digitaltechnik profitieren können. Neue Spieler sind schnell eingelernt und können ohne Probleme direkt eine der 15 bis 30 minütigen Missionen mitspielen.

Der stetig ansteigende Schwierigkeitsgrad der Kampagne motiviert, auch wenn man hin und wieder Pech beim Karten Ziehen haben kann und einige Aufträge somit schnell scheitern können. Dem Spielspaß schadet dies allerdings kaum – schlussendlich macht nämlich die Kommunikation untereinander und das gemeinsame Arbeiten an einem Ziel einen großen Teil der Unterhaltung aus.  Soviet Kitchen eignet sich demnach perfekt für einen Spieleabend mit Freunden, wenn man nicht unbedingt ewig nicht enden wollende Gesellschaftsspiele wie  Monopoly, Risiko und Co. auspacken möchte.

Auf der Homepage von Soviet Kitchen Unleashed findest du viele weitere Informationen sowie eine kurze Demo-Version zum ausprobieren, die dir den Spielablauf verdeutlicht.