Witcher 3: Aller Anfang ist schwer

Screenshot von Witcher 3

Witcher 3 ist bereits seit einiger Zeit auf dem Markt und wurde von vielen als das beste Spiel des Jahres betitelt. Ich selbst habe mir das Spiel erst jetzt gekauft und werde in dieser Serie von Beiträgen seine raue Welt erkunden und meine positiven und negativen Eindrücke spoilerfrei schildern. 

Noch vor dem ersten Spielstart steht logischerweise die Installation an. Da ich mir das Spiel als Box und nicht digital gekauft habe, konnte ich bequem eine DVD nach der anderen in mein Laufwerk einlegen und so in Windeseile die erforderlichen Daten auf meine Festplatte kopieren. Hier folgte direkt die erste positive Überraschung: Man muss keinerlei Kopierschutzmaßnahme akzeptieren, das Spiel kann also problemlos auf mehreren Computern installiert werden. Der GOG Galaxy Client ist vollkommen optional, bietet aber einige nützliche Features, wie zum Beispiel die automatische Installation von Updates, Zugriff auf den DLC und diverse Community-Bereiche. Wenn du genaueres über die Unterschiede zwischen GOG und anderen digitalen Vertriebsplattformen von Videospielen erfahren möchtest, findest du demnächst einen eigenen Beitrag dazu auf unserem Blog.

Der Grund, warum Witcher 3 erst jetzt in meiner Sammlung steht, ist folgender. Ich konnte mich mit der Serie bisher noch nicht anfreunden und habe auch nie einen Teil beendet. Besonders das Kampfsystem im ersten Teil war für mich alles andere als unterhaltsam, weshalb ich das Spiel nach wenigen Stunden beiseite legte. Der geringe Preis der Ladenversion und die vielen positiven Reviews überzeugten mich schlussendlich doch, mir Witcher 3 mal etwas genauer anzuschauen. Das düstere Fantasy-Setting war ein Aspekt, der mir bereits an den Vorgängern sehr gefiel und durch die offene Welt von Witcher 3 sicherlich noch besser zur Geltung kommt. Ob dem so ist, wirst du in diesem und den folgenden Beiträgen erfahren. Ich bitte zu beachten, dass es sich hierbei nicht um einen klassischen Test eines Videospieles handelt. Vielmehr möchte ich das Spiel aus einer subjektiven Sicht mit meinen persönlichen Erwartungen und Vorlieben betrachten.

Ein wichtige Frage direkt zu Beginn war für mich, ob man das Witcher 3 und seine Welt auch ohne die Vorgänger gespielt zu haben versteht. Bisher habe ich auch keinerlei Probleme damit, der Geschichte zu folgen, da diese sehr verständlich erzählt wird. Wenn es später noch Punkte geben sollte, an welchen man ohne das Wissen aus den Vorgängern schlechter bewältigen kann, werde ich dies in einem der zukünftigen Beiträge erläutern.

Ohne umfangreiches Tutorial geht in aktuelleren Spielen größtenteils gar nichts. Meistens wird man sehr behutsam an das Spiel herangeführt, was für erfahrene Spieler zeitweise etwas langatmig werden kann. Bei Witcher 3 ist diese Einführung für ein so komplexes Spiel erstaunlich kompakt gehalten. Die ersten Charaktere werden recht schnell eingeführt und man lernt das Dialogsystem kennen, auf welches ich später noch einmal eingehen werde. Auch einzelne Fähigkeiten des Hexers, seien es verschiedene Manöver im Kampf mit den beiden Schwertern und den diversen Zaubern oder die interessante Witcher Sense, mit der man als Spieler wichtige Objekte hervorheben lassen und so Rätsel lösen kann. Die Erklärung dieser Spielmechaniken wirkt nicht aufgesetzt und ist gut in Form des Tutorials integriert. Einziges Manko ist, dass andere Elemente des Spieles, wie das Alchemie-System oder  der Schmied nur in einfachen Texten erklärt werden, weshalb man sich durch die  teilweise doch ziemlich unübersichtlichen Menüs, die sich weder mit dem Gamepad noch mit der Maus perfekt steuern lassen, selber noch einmal durchwühlen muss. Hier hätte eine langsamere Erklärung sicherlich gut getan.

Direkt nach dem Tutorial wird man in das erste offene Gebiet entlassen, welches man völlig frei erkunden kann. Schnell wird klar, dass man sich nicht in einer kunterbunten Fantasy-Welt befindet. Soldaten sind stets auf Patrouille auf den matschigen Straßen, Bewohner der kleinen Dörfer beklagen sich über Banditen und zu allem Überfluss machen auch noch allerhand unangenehme Kreaturen das Land unsicher. Landschaftlich hat die Welt aber ihre schönen Seiten, was nicht zuletzt an dem guten Design liegt. Die dichten Wälder werden von Flüssen durchzogen, die Felder der Bauern erstrecken sich über weite Gebiete und überall gibt es ein geheimes Versteck, eine Höhle oder einen verlassenen Unterschlupf zu entdecken. Auch die dynamischen Tag-, Nacht- und Wetterwechsel tragen zur grandiosen Stimmung im Spiel bei. Lediglich der dauerhaft etwas zu starke Wind ist stellenweise etwas seltsam. Zu einem sonnigen Nachmittag mit zwitschernden Vögeln und spielenden Kindern passt es einfach nicht, wenn Bäume, Büsche und Gräser sich wie wild hin und her bewegen. Der insgesamt sehr gut ausgearbeiteten Welt schadet das aber nur marginal.

Damit man die großen Entfernungen schnell überwinden kann, ist man direkt am Anfang mit dem treuen Pferd Roach unterwegs. Die Steuerung dieses ist allerdings an vielen Stellen etwas umständlich. Besonders dann, wenn in der Umgebung viele kleinere Hindernisse stehen. An diesen bleibt man des öfteren hängen oder Roach entscheidet sich mitten im Galopp dazu, ohne Vorwarnung zu stoppen. Solange man auf den großen Straßen bleibt, funktioniert die Fortbewegung per Pferd alles in allem ganz gut, reicht aber nicht an die von Red Dead Redemption heran. Falls man in Eile ist, kann man auch einen der zahlreichen Schnellreise-Punkte nutzen. Dann verpasst man aber viele der interessanten Begegnungen, die sich an und auf den Straßen abspielen können.

Witcher 3
Gerald vor einem Schwarzen Brett

Als Hexer geht man in erster Linie dem Beruf des Monsterjägers nach. Das besondere an Witcher 3 ist hierbei, dass man nicht wie etwa in Skyrim einen namenlosen Charakter spielt, sondern direkt zu Beginn in die Rolle von Gerald von Riva schlüpft. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Dialoge, denn Hexer sind nicht bei jedem Bewohner beliebt. Die Gespräche mit den Charakteren sind mit verschiedenen Kameraeinstellungen, unzähligen speziell auf ein Gespräch angepassten Animationen und dynamisch ein und austretenden Gesprächsteilnehmern bisher ein großes Highlight für mich. Vertont sind die Dialoge mit guten Sprechern und verschiedenen Akzenten, was zusätzlich positiv zur Atmosphäre beiträgt. Aufgaben kann sich der Hexer neben den Gesprächen mit NPCs auch am schwarzen Brett in den Dörfern besorgen, welche neben einigen Hinweisen an die Bevölkerung auch ab und an Aufträge zeigen, durch welche man sich Münzen verdienen kann. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass das Spiel die Aufgaben allesamt gut in die Welt integriert. Mir ist bis jetzt noch nicht eine „Sammle 20 Tiermägen“-Aufgabe vorgekommen. Jeder Auftraggeber trat mit nachvollziehbaren Problemen an mich heran.

Die ersten fünf Stunden von Witcher 3, die ich im ersten Gebiet verbracht habe, waren durchweg unterhaltsam. Das Kampfsystem ist spannend und fordernd, auch wenn man teilweise nicht wirklich präzise abschätzen kann, wo genau ein Treffer landen wird, was mir bereits den einen oder anderen virtuellen Tod bescherte. Die Dialoge sind durchweg unterhaltsam und die Aufträge werden durchweg glaubwürdig in die wundervoll gestaltete Welt integriert. Da ich nahezu jede Quest erledigt und jeden Winkel des Gebietes erkundet habe, wird es langsam Zeit, ins nächste zu reisen. Wie es dort zugeht und was ich dort besonderes erleben werde, erfährst du im nächsten Beitrag zu Witcher 3.