Discord: Gib deiner Stimme eine Zukunft

Als langjähriger Nutzer von TeamSpeak 3 stehe ich neuer Kommunikationssoftware eher skeptisch gegenüber. Discord ging vor über einem Jahr mit der Prämisse, Skype und TeamSpeak den Laufpass zu geben, an den Start. Mächtige Worte von einem Entwicklerteam, das zuvor nur ein weniger erfolgreiches MOBA für Tablets auf den Markt brachte. Was steckt in dem neuen VoIP-Programm und kann es sich gegen die etablierte Konkurrenz behaupten?

Das wichtigste Merkmal einer guten Sprachsoftware ist eine strukturierte und einfache Handhabung. Im Fall von TeamSpeak 3 geht, sofern man nicht selber der Host eines Server ist, die Eingewöhnung in die Funktionen schnell vonstatten. Man befindet sich nach wenigen Klicks im gewünschten Channel, um sich mit seinen Freunden unterhalten zu können. Skype hat sich nach der Übernahme durch Microsoft und der Implementierung von Werbung einen schlechten Ruf gemacht. Ein Blick auf die Möglichkeiten des Programms ist allerdings trotzdem noch recht positiv. Skype erinnert eher an einen klassischen Messenger und bietet neben den bekannten Sprachanrufen auch Textchats und Videoanrufe mit mehreren Personen. Ein eigener Server ist nicht nötig, lediglich das Grundprogramm müssen die Chatpartner auf dem Computer, Smartphone oder Tablet installiert haben. Dieses ist allerdings ein echtes Schwergewicht und zehrt merklich an der Leistung des Gerätes.

TeamSpeak und Skype funktionieren gut, haben aber beide ihre Ecken und Kanten. Die Erstellung eines eigenen TeamSpeak-Servers ist ziemlich umständlich und die kostenpflichtige App für mobile Endgeräte kann nicht mit herkömmlichen Chatapplikationen, wie WhatsApp oder dem Telegram-Messenger mithalten, da die Textfunktionen zu sehr eingeschränkt sind. Skype bietet sich nur für kleine Gruppen von Nutzern an. Größere Communities stoßen schnell an die Grenzen des Programms, da weder eine Aufteilung der Übertragungen in Channels noch eine Trennung der Textchats möglich ist. Discord hingegen hat gegenüber TeamSpeak und Skype einen entscheidenden Vorteil: Es vereint die besten Funktionen aus beiden und erweitert sie um nützliche Features, die den Dienst in Sachen Komfort und Benutzerfreundlichkeit mit Leichtigkeit an die Spitze der VoIP-Programme katapultieren.

Ein Blick auf den Vergleich der Funktionen der drei Programme gibt einen ersten Einblick in das, was man von Discord erwarten kann. Eines der wichtigsten Elemente ist, dass Discord komplett kostenlos nutzbar ist und derzeit keinerlei Bezahlinhalte zu finden sind. Lediglich für verschiedene Töne und optische Veränderungen wird man zukünftig Geld investieren können. Alle Hauptfeatures von Discord sind und bleiben völlig frei zugänglich. Das gilt auch für die App für mobile Endgeräte. Bei TeamSpeak hingegen muss für einen Server für mehr als 32 Clients bezahlt werden, sofern man keine Non-Profit Licence erhalten kann.

Um schnell mit seinen Kollegen in Kontakt treten zu können, ist die einfache Einrichtung des Programms von Vorteil. Sowohl bei TeamSpeak als auch bei Skype benötigt man zwingend eine Software. Für letzteres muss sogar zwingend ein Account erstellt werden. Discord hingegen kann mit einer hochgradig intuitiven Webapplikation punkten, die ohne Anmeldung genutzt werden kann. Nach der Wahl des eigenen Nicknames übermittelt man dem Gesprächspartner den Link zum kostenlos erstellten Server und es kann losgehen. Natürlich kannst du dir Discord auch auf deinen Computer herunterladen und so ohne Browser darauf zugreifen.

„They’re old, they’re clunky, they don’t work very well, and we just thought we could do it better.“

JASON CITRON, CEO UND GRÜNDER VON HAMMER & CHISEL

Als Nutzer und Betreiber von TeamSpeak-Servern konnte ich mich schnell in die Erstellung eines Discord-Servers hineinfinden. Die Benutzeroberfläche ist übersichtlich gestaltet und bietet viele Funktionen genau dort, wo man sie erwartet. Langwieriges Suchen, wie etwa in den erweiterten Optionen von TeamSpeak, fällt weg. Verschiedene Benutzergruppen sind schnell erstellt, Channel lassen sich nach belieben verschieben und sogar duplizieren. Ziemlich praktisch, wenn man mehrere Channel eines bestimmten Typs haben möchte.

Bei der Erstellung von Servern gibt es keinerlei Restriktionen. Man wählt den Standort aus, legt einen Namen und ein optionales Icon fest und schon befindet man sich im ersten Channel. Du kannst kostenlos eine beliebige Anzahl an Servern eigenständig verwalten und fremden beitreten. Ohne noch tiefer auf die Konfigurationen des Servers einzugehen sei noch erwähnt, dass der Textchat und der Sprachchat getrennt sind, was vor allem unterwegs auf Smartphones ein riesiger Pluspunkt ist, da man sich nicht zwingend in einem Sprachchannel befinden muss, um sich mit seinen Freunden auszutauschen.

Offline-Nachrichten, eine nützliche Freundesliste mit Direktnachrichten und ein gelungener Textchat mit sich automatisch umwandelnden Links machen aus Discord ein Tool, welches sich auch als Chatclient für Smartphones durchaus eignet. Server und beigetretene Chats werden außerdem gespeichert, sodass man sich dauerhaft in den gewünschten Communities befinden kann. Besonders TeamSpeak steht hier deutlich hinten an, da die Funktionen des Chats weitaus eingeschränkter sind und die App für Android und iOS nicht gratis ist.

„Everything that’s free now will stay that way.“

Jason Citron, CEO und Gründer von Hammer & Chisel

Auf der technischen Seite lässt Discord ebenfalls kaum Wünsche offen. Ausschließlich der Server kennt deine IP, andere Clients können diese nicht sehen. Für den gebotenen Umfang ist Discord außerdem ziemlich hardwarefreundlich. Es ist nicht wichtig, ob du dich mit über einhundert Nutzern in einem Channel befindest oder nur mit einer kleinen Gruppe sprichst. Discord läuft immer stabil und verbraucht kaum Rechenleistung.

Die Entwicklung von Discord ist noch nicht abgeschlossen. Auf dem aktiven Blog stellen Hammer & Chisel neue Features vor und diskutieren mit der Community. Neben kleinen Verbesserungen soll zukünftig auch Videochat mit Discord möglich sein. Vor kurzem wurde eine neue Sicherheitsmaßnahme mit der 2 Factor Authentication implementiert.

Discord ist unkompliziert, intuitiv und modern. Es erweitert die Basis der angestaubten Dienste TeamSpeak und Skype um nützliche Funktionen, die wunderbar ineinander greifen und zukünftig zum Standard der Kommunikation gehören werden. Die Finanzierung ist derzeit noch durch großzügige Spenden gesichert und ermöglichen die kostenlose Bereitstellung. Es bleibt abzuwarten, ob die kommenden Zusatzinhalte allein die Server am Leben halten können. Die Konkurrenz von Discord muss sich auf jeden Fall warm anziehen, denn wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.